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16.12.2018



(KURZ) PREDIGTEN

3. Advent (16.12.18) „Nur wer still wird…“

Nebst der Hl. Barbara und Bischof Nikolaus, nebst der Gottesmutter Maria und der Hl. Lucia ist Johannes der Täufer die markante Gestalt des Advents. Nicht von ungefähr nannte man ihn den Vorläufer Jesu. Er war derjenige Prophet, der dem Tetrachen Herodes Antipas öffentlich die Leviten las, weil dieser seine Ehefrau, eine Königstochter der Nabatäer, verstieß und an ihrer Stelle Herodias, die Frau seines Halbbruders, ehelichte. Diese öffentliche Kritik sollte ihm später im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf kosten. Zunächst aber forderte er in seinen Bußpredigten die Menschen, die zur Taufe an den Jordan kamen, auf, dem Messias den Weg zu bahnen, auf dem dieser zu den Menschen kommen könne.

Seine Predigt muss offensichtlich gefruchtet haben, wie die Rückmeldungen zeigen. Denn mit einem Mal kamen Leute und befragten Johannes, was sie denn konkret für das Kommen des Messias tun, wie sie es befördern könnten. Selbst Zöllner und Soldaten, die nicht eben in bestem Ruf standen, wollten vom Täufer Auskunft: „Was sollen wir also tun?“ Und Johannes gab ihnen vier konkrete Tipps.

1. Solidarität mit den Schwache nund Armen. („Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.“), 2. Gerechtigkeit gegenüber jedermann („Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist.“), 3. die Beachtung der Menschenrechte („Misshandelt niemanden) und das vor 2000 Jahren! und 4. Genügsamkeit („Begnügt euch mit eurem Sold“).

Offensichtlich verstand es Johannes, die Menschen anzusprechen, für das Kommen des Messias zu sensibilisieren und sie zu motivieren, aktiv zu werden. „Das Volk war voller Erwartung“, so schreibt der Evangelist Lukas, m. a. W., die baldige Ankunft des Messias lag gleichsam in der Luft – genauso wie heute, am 3. Adventssonntag „Gaudete“.

Die historische Ankunft des Messias in Jesus aus Nazaret liegt bereits 2000 Jahre zurück, die Ankunft Jesu im Herzen eines jeden von uns Menschen steht unmittelbar bevor. Darum ruft die Liturgie uns heute zu: „Gaudete, freuet euch!“ Und sie lädt uns ein zu fragen: „Ja, was sollen wir denn nun tun?“ Meine Antwort ist sehr schlicht: Nichts Anderes, als was uns Johannes heute sagt:

1. Üben wir Solidarität mit den Ärmsten der Armen, etwa mit den Menschen im Jemen. Unbeachtet von der Welt tobt dort ein Stellvertreterkrieg zweier muslimischer Staaten, der auf dem Rücken von Millionen Jemeniten ausgetragen wird. Ich erinnere nochmals an unsere Weihnachtskartenaktion zugunsten der Kinder im Jemen, der derzeit größten humanitären Katastrophe dieser Erde. 2. Lassen wir gegenüber jedermann Gerechtigkeit walten. Übervorteilen wir niemanden, ziehen wir niemanden über den Tisch, denn auch wir wollen gerecht behandelt werden. Wer dies schon nicht aus christlichen Gründen tut, möge wenigstens Kants kategorischen Imperativ beherzigen. 3. 70 Jahre waren es am Montag her, dass die Menschenrechte erstmals öffentlich deklariert und von vielen Staaten anerkannt werden. Für Johannes war dies schon vor 2000 Jahren selbstverständlich. Gerade heute, wo wieder Unterschiede zwischen Menschen verschiedener Ethnien, zwischen Einheimischen und Fremden gemacht und jüdische Mitbürger offen diskriminiert werden, müssen die Menschenrechte incl. Religionsfreiheit außer Diskussion stehen. Ob jene Mitbürger aus dem Osten, von denen übrigens viele nicht einmal getauft sind, die vorgeben, das christliche Abendland zu retten, schon wissen, dass Jesus zeitlebens Jude war? 4. Werden wir schließlich genügsamer. Brauchen wir wirklich alles, was uns die Werbung vorgaukelt? Gehen unsere Wünsche nicht stark zu Lasten anderer Völker, zu Lasten der Schöpfung?

Vergessen wir in der Hektik dieser Tage nicht: Eigentlicher Grund für die vielen Christkindlmärkte und Adventsingen, für das Schenken und Beschenkt-werden ist doch nicht die Umsatzsteigerung zum Jahresende, sondern einzig und allein die Geburt des Sohnes Gottes, das Kommen des Messias: Vor 2000 Jahren kam er nach Betlehem, heute möchte er in unsere Herzen kommen und dort geboren werden.

Auch wenn heute schon der 3. Advent begangen wird. Noch haben wir Zeit, die Forderungen des Täufers zu beherzigen. Noch haben wir Zeit, still zu werden, zu schweigen um zu hören, wenn er an Weihnachten an unseres Herzens Tür klopft. Achtung: Er läutet niemals Sturm, er klopft leise und nur wer still wird, kann sein Klopfen vernehmen.