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08.04.2018



(KURZ) PREDIGTEN

2. Sonntag der Osterzeit

Schauen Sie wie ich gerne Krimis an? Mr. Barneby oder Donna Leon, Der Alte oder die Rosenheim Cops? Dann wissen Sie, dass der Kommissar, ehe er nach einer ersten Befragung des Tatverdächtigen die Wohnung verlässt, im Türsturz nochmals kurz innehält, sich umdreht und nachhakt: „Eine Frage hätte ich noch…“ In der Regel folgt dann eine ganz gezielte, den Tatverdächtigen in Unruhe versetzende Frage, die den Befragten bewusst ratlos zurücklässt.

So ähnlich kommt mir die Reaktion des Apostels Thomas im heutigen Evangelium vor. Er war nicht dabei, als Jesus am Ostertag durch geschlossene Türen hindurch den Raum betrat und den total verängstigten Jüngern die Botschaft der Auferstehung leibhaft überbrachte. Vielleicht war er ja mutiger als die Elf, wurde nicht von Angst gequält im Raum zurückgehalten oder er war so enttäuscht, dass er glaubte, mit Jesus einem großen Irrtum aufgesessen zu sein. Wir kennen die näheren Beweggründe nicht, wir wissen nur, dass er am Abend des Ostertages nicht präsent war und jetzt, da die anderen von der Erscheinung Jesu berichten, kontert: „Eine Frage hätte ich da noch: Habt ihr ihn an den Malen der Nägel erkannt? Ich will sehen, ehe ich glaube!

„Schreibt Paulus im Römerbrief (Röm 10,17) „FIDES EX AUDITU = Der Glaube kommt vom Hören“, so gewinnt man den Eindruck, Thomas wolle sagen: Der Glaube kommt vom Sehen, wobei der Übergang vom Glauben zum Schauen dem Menschen ja erst für das Leben nach dem Leben aufgespart ist. Manch einer würde nun sagen, Thomas agiere eher so, als wolle er sagen: Der Glaube kommt vom Zweifel; aber zweifelt Thomas wirklich? Er fragt, fragt sehr offen und zielgerichtet, durchaus auch kritisch und mit dem Unterton des Skeptikers. Sein Fragen hat aber nichts Destruktives, er bringt ihn vielmehr auf dem Weg des Glaubens voran, denn derjenige, der sagt „Ich habe da noch eine Frage“, erlebt eine Woche später, wohin sein Fragen führt: Zur ganz persönlichen Christus-begegnung. Mit einem Mal hört er Jesus, er sieht ihn und er berührt seine Wunden. Alle seine Sinne werden angesprochen und können sich überzeugen, dass er nicht einem Gespenst aufsitzt, sondern eine reale Begegnung mit dem Auferstandenen erlebt, die in seinem persönlichen Christuszeugnis endet: „Mein Herr und mein Gott!“ Kürzer und dichter hätte es auch Petrus nicht sagen können.

Was können wir von Thomas lernen? Thomas gibt sich nicht vorschnell mit dem Erzählten der Apostelfreunde zufrieden. Er glaubt nicht alles, was sie ihm erzählen. Er beschäftigt sich selbst mit dem „Phänomen Jesus“ und dessen Auferstehung. Und so hakt er nach, will ihn mit eigenen Augen sehen und sich überzeugen, will ihn hören und gewiss werden; und durch sein bohrendes Fragen kommt er auf seinem Glaubensweg einen gewaltigen Schritt voran: Es öffnet sich ihm die ganz persönliche und direkte Begegnung mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Sein intensives Fragen bringt ihn auf dem Weg des Glaubens, auf dem Weg zum Ziel einen großen Schritt voran. Zwar kommt der Glaube nicht vom Fragen, nicht vom Zweifel, aber das Fragen zeigt die Ernsthaftigkeit der Auseinandersetzung und bringt so den Fragenden voran. Thomas, und auch uns.