Aktuelles

Bild

08.03.2020



(KURZ) PREDIGTEN

2. Fastensonntag 2020
Verklärung Jesu - Jesus: Der endgültige, der größere Mose

Das eben gehörte Evangelium von der Verklärung des Herrn gehört nach Aussage der Bibelwissenschaftler zu den anspruchsvollsten Texten der Evangelien und findet sich bei Matthäus, Markus und Lukas genau in der Mitte der überlieferten Texte. Die Perikope ist so reich, dass man als Prediger immer nur einzelne Aspekte aufgreifen kann.

Die Erzählung erinnert sehr stark an Exodus 19, den Bericht vom Bundes-schluss Adonais mit seinem Volk Israel. Im dritten Monat nach dem Auszug aus Ägypten kommen die Israeliten am Berg Sinai an. Mose besteigt den Sinai, der Herr kommt zu ihm in einer dichten Wolke, redet mit ihm und übergibt ihm die Zehn Gebote… und Mose kehrt vom Berg zu seinem Volk zurück, legt einen Schleier über sein Gesicht, damit der Glanz, der von Gott auf sein Antlitz übergegangen war, das Volk nicht blendet.

Ich denke, diese Kurzfassung des Bundesschlusses zeigt große Parallelen zum heutigen Evangelium der Verklärung auf Tabor auf: Jesus besteigt mit Petrus, Jakobus und Johannes den Berg Tabor. Sein Gesicht wird leuchtend wie die Sonne und sein Gewand weiß wie das Licht. Mose und Elija zeigen sich ihnen, als plötzlich, wie auf Sinai, eine Wolke sie umhüllt – die Wolke ist in der Bibel stets Zeichen der Gegenwart Gottes - und aus der Wolke die Stimme Gottes dringt: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.“ (Mt 17,5) Wir kennen diese Worte von der Proklamierung bei der Taufe Jesu, nun stehen sie unmittelbar vor Beginn des Passions-geschehens.In beiden Erzählungen spielt der Berg eine wichtige Rolle. Der Berg ist von jeher jener Ort, an dem sich die Menschen den Göttern bzw. Gott sehr nahe wussten. Nicht umsonst stehen viele Wallfahrtskirchen auf Bergeshöhen, nicht von ungefähr zieren viele Berge sog. Gipfelkreuze.

In beiden Erzählungen spielt aber auch Mose eine wichtige Rolle; in der Erzählung von der Verklärung aber wird deutlich, dass Jesus die wichtigere Rolle einnimmt. Mose und Elija sind Propheten, Jesus hingegen ist der größere Mose, sprich Gottes Sohn. Aus diesem Grund verpufft auch der Vorschlag des Petrus mit dem Bau dreier Hütten, denn sonst wäre ja Jesus wie Mose und Elija auch nur ein Prophet gewesen. Papst Benedikt schreibt: „Jesus ist der endgültige, der größere Mose, …den Mose in seiner Rede an der Grenze des Heiligen Landes angekündigt hat.“

Wir haben es hier also mit einem Theophaniebericht zu tun, d.h. mit einer Erscheinung Gottes, bei der er vor allem Volk, seinem Volk Israel, Jesus öffentlich als seinen Sohn proklamiert. Er, Jesus, ist jener, der mit Gott „von Gesicht zu Gesicht, wie ein Freund mit dem Freund“ verkehrt, sein Kennzeichen ist die „Unmittelbarkeit zu Gott“. Er muss sich nicht wie die alttestamentlichen Propheten fürchten, die glaubten sterben zu müssen, sobald sie Gottes Angesicht geschaut haben. Nein, papa Benedetto schreibt: „Er lebt vor dem Angesicht Gottes, nicht nur als Freund, sondern als Sohn, er lebt in innerster Einheit mit dem Vater.“ . Wer dies außer Acht lässt, wer Jesus nur isoliert betrachtet und nicht die Achse Jesus – Vater in den Blick nimmt, wer nicht bedenkt, dass er Gott von Angesicht zu Angesicht schaut, mit Gott redet wie der Freund mit dem Freund, wer nicht bedenkt, dass er nicht nur Freund, sondern Sohn ist, der in innerster Einheit mit dem Vater lebt, der „geht am Eigentlichen der Gestalt Jesu vorbei“.

Bleibt noch ein Wort zur Verklärung als solcher zu sagen. Nach der Begegnung mit Adonai auf dem Sinai leuchtete des Mose Angesicht, so dass er zum Schutz seines Volkes einen Schleier auf sein Gesicht legte. Hier aber leuch-tet der ganze Jesus. Ich deute dies so: Wer in seinem Leben Gott begegnet, ihn live erlebt, so dass er wie Henri Frossard sagen kann: Gott existiert, ich bin ihm begegnet, der wandelt sein Leben, der verwandelt sich selbst, der fängt von ihnen her zu leuchten an, der strahlt nach außen aus und spricht, ohne auch nur ein Wörtchen zu reden, Menschen mit seiner Ausstrahlung an. Die Begegnung mit Gott, die Begegnung mit seinem Sohn Jesus macht aus alten neue Menschen, aus beschmutzten reine und aus blassen leuchtende Menschen. Ich wünsche einem jeden sein ganz persönlicher Tabor, einen Ort, an dem ihm Gott begegnet. Wer sich darauf einlässt, wird zum leuchtenden Stern, zum strahlenden Licht, das sich selbst und anderen den Weg zu Gott weist.
________________________________________________________________________________________________________________________________

Weitere (KURZ) Predigten unter:
http://www.spectrumkirche.de/downloads.php

(diesen Link markieren und öffnen)